News: Gegen den Trend – Schule und Sportverein

Schule und Sportverein in Habenhausen arbeiten gemeinsam für Handballnachwuchs

Thomas Krüger – Bremer Pädagoge und leidenschaftlicher Handballer

Bremen. Thomas Krüger ist überzeugt: „Wir dürfen bei all der Professionalisierung heutzutage nicht die Basis und vor allem nicht unsere Schulen vergessen.“ Der Bremer Pädagoge und leidenschaftliche Handballer steht hinter seiner Aussage und dass aus gutem Grund. Seit über 30 Jahren fühlt er sich seiner Sportart verbunden, trainierte neben etlichen Jugendmannschaften bereits Herren- und Damenteams in der Regionalliga und ist darüber hinaus Inhaber einer A-Lizenz. Als Lehrer für Sport und Biologie an einer Bremer Oberschule im Ortsteil Habenhausen kennt er zudem die Sichtweisen der Lehranstalten aus dem Effeff. „Der Handballsport rutscht immer mehr als den Bildungsplänen heraus, Fußball ist dafür allgegenwärtig“, sagt Krüger. „Durch die Abnahme an den Schulen fehlt den Vereinen ein wichtiger Zulieferer für Nachwuchs. Immer neue Spielgemeinschaften, Mannschafts- oder gar Vereinssterben sind letztlich die Folge der vergangenen Jahre.“ Langfristig helfe auch ein WM- oder EM-Titel nicht weiter.

Um diesen Trend zu stoppen, verfolgen er und sein Mitstreiter Thorsten Uhlenberg vom benachbarten TuS Komet Arsten einen Ansatz, der Stadtteilschulen und Sportvereine eng miteinander verzahnt. „Schüler und Handballer nutzen bei uns in Habenhausen dieselbe Sporthalle, daher besteht bereits eine gewisse Verknüpfung. Wir haben mit unserer Oberschule also den ATSV Habenhausen angesprochen, um Handball bei den Kids wieder zu einer ernstzunehmenden Größe zu machen. Zum Fußball kommen ja seit jeher viele Schüler“, erklärt Krüger. Auch die auf demselben Gelände gelegen Grundschule schloss sich der Idee an, erste Fördergruppen entstanden. „Ich habe zu dieser Zeit zur Hälfte als Lehrer und zur Hälfte als Trainer im Bremer Landesverband gearbeitet. So konnten weitere handballaffine Lehrer für das Projekt rekrutiert werden.“ Zusatzangebote am Nachmittag wie Jugend trainiert für Olympia, bei dem sich Thorsten Uhlenberg stark engagiert, lockten zusätzliche Kinder. „Unser Fokus lag dabei nicht zwangsweise auf dem Handball. Wir haben Ballspiele im Allgemeinen angeboten und wollten damit die jeweiligen Stärken und Faibles der Kids fördern.“

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Der wahre Anfang dieses vorbildlichen Projektes liegt dabei schon gute zwei Jahrzehnte zurück, wie Thomas Krüger zu berichten weiß. „Jörg Schröder hat diese Idee damals vornehmlich initiiert. Er war der Erste mit einer Doppelfunktion als Lehrer und Trainer bei uns in Habenhausen. Ich bin schließlich auf ihn gefolgt.“ Im Laufe der Zeit wurde die Verzahnung mit den von Stadtteilschule und Sportverein immer enger und schließlich sogar fester Bestandteil des Schulwesens. „Es gibt Freistellungen für Schüler, die bei Jugend trainiert für Olympia in Berlin teilnehmen. Kinder haben nach der Grundschule zudem die Möglichkeit ein Profil zu belegen, in dem ihnen drei Monate lang Handball nähergebracht wird. Das bringt sie natürlich wiederum zu den Vereinen“, erklärt Krüger ein wenig stolz. Gleiches gelte mittlerweile auch für den Ortsteil Arsten und den ansässigen TuS Komet. „Die Kids kommen von dort an unsere Schule nach Habenhausen. Somit gibt es zwei Stadtteilvereine in Bremen, die sich mit ihren Schulen praktisch gegenseitig zuliefern“, so der handballbegeisterte Lehrer.

Grundlegend gehe es ihm und seinen Mitstreitern vor allem darum, die Freude am Sport und der Bewegung zu fördern. „Mit uns wird der Ball bei den Kids zum ständigen Begleiter. Wir möchten, dass unsere Kinder viel Sport treiben, weil es sich auch positiv auf das soziale Gefüge auswirkt. Die Schule hat das mittlerweile erkannt.“ Mit der engen Verbindung von Schule und Verein stelle man daher die Weichen für Handball, Unterricht und Stadtteil“, ist sich Krüger seiner Sache sicher. Handballer würden nicht ohne Grund einen guten Ruf genießen, weil sie allgemein als sozialverträglich und leistungsbewusst gelten.

Man darf also gespannt sein, wie sich das Habenhausener Konzept in Zukunft entwickelt. Folgt man Thomas Krüger, dürften sich gerne weitere Schulen und Vereine dem Vorbild der Bremer anschließend – dem Handball und den Kindern zum Wohle.